Land Art-Projekt: Grenzland 2016.
Nachdenken über Grenzen und Übergänge, Nähe und Ferne, Eigenes und Fremdes.

In den Gesteinen der Region Arosa–Hörnli in der Schweiz ist die 50–100 Millionen Jahre weit zurückliegende Begegnung des Kontinents Afrika mit Europa eingezeichnet. Dabei hinterliess die Kollision der beiden Kontinentalplatten (die seither weit auseinander gedriftet sind) ihre steinernen Spuren: Südliche, afrikanische und eher rötliche Gesteins-Decken sind auf nördliche, europäische und gräuliche Decken aufgeschoben, was an den erodierten Bergflanken gut sichtbar wird. Diese wenig bekannte und für viele wohl überraschende, geologische Tatsache wirft auch philosophische Fragen auf: Was heisst «heimisch»? Was bedeutet «fremd»? Eine Frage, die durch die Migrationsthematik – gerade im Zusammenhang mit Afrika – heutzutage auch eine politische Dimension erhält.
Schon allein die gigantischen zeitlichen und räumlichen Dimensionen trugen dazu bei, den Blick auf Grenzen und Übergänge, Nähe und Ferne, Eigenes und Fremdes zu relativieren.

Das Grenzland-Projekt basiert auf einer Idee des Geologen Helmut Weissert von der ETH Zürich und wurde von der Grafikerin und Land Art-Künstlerin Manuela Fischer projektiert und realisiert. Unterstützt wurde sie dabei von der Produktdesignerin Maya Spiri, die die Grenz-Objekte mit ihr gemeinsam entworfen und konstruiert hat. «Grenzland» ist ein Folgeprojekt von «Wandelzeit», einer Gletscherperformance vom Sommer 2013. Durch 33 eigens entwickelte Grenz-Objekte, die im Raum Urdenfürggli an der Untergrenze der (rötlichen) afrikanischen Gesteinsmasse installiert hatten, wurde diese Grenze markiert und für die Betrachter*innen erlebbar gemacht. Die vom Wind bewegten, metallenen und hochreflektierenden Objekte, bestehend aus einem Windrad und einem kristallförmigen Objekte, spiegelten mit ihrer hochglänzenden Oberfläche das Sonnenlicht und zauberten ein poetisches Lichtspiel in die Landschaft. 

 

Projekt-Fotos: Christian Schröckel

Land Art ist die Umwandlung von geographischem Raum in ein Kunstwerk.
Die Land Art Bewegung entstand in den 1960er-Jahren in den USA. Land Art konzentriert sich nicht auf eine bestimmte Grössenordnung oder Methode, sondern arbeitet in Räumen von kleinstem Maßstab bis hin zu ganzen Landstrichen, mit vorgefundenen Naturmaterialien oder mit hinzugefügten Elementen. Ziel ist es, ein Werk zu schaffen, dass in keiner Galerie ausgestellt werden kann. Land Art nutzt die Landschaft nicht einfach als attraktiven Hintergrund, sondern wird selbst zur Landschaft. «Grenzland» ist ein Land Art-Projekt, das für grosse Zusammenhänge sensibilisiert und damit auch ein kraftvolles Zeichen für ein friedvolles Zusammenwirken der Menschen in Europa setzt.

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